Forscher entwickeln Alternative zu embryonalen Stammzellen
(dpa) Forschern aus Tübingen ist ein bedeutender Schritt in der Stammzellforschung gelungen. Aus den Hoden erwachsener Männer wurden Zellen gewonnen, die fast dieselben Eigenschaften wie embryonale Stammzellen haben, schreibt das Team um den Anatomieprofessor Thomas Skutella in einer Online-Veröffentlichung des Fachblatts «Nature». Dies sei wichtig, um eines Tages auf den Patienten abgestimmte Zelltherapien in der Medizin einsetzen zu können. Außerdem gebe es damit eine Alternative zur ethisch heftig umstrittenen Forschung mit embryonalen Stammzellen.
Vier Jahre lang haben die Wissenschaftler daran gearbeitet, aus Hodengewebe Vorläuferzellen von Spermien zu isolieren. Diese sogenannten adulten Stammzellen wurden anschließend umgewandelt, bis sie in einen quasi-embryonalen Zustand zurückversetzt waren. Ähnliches war bislang nur bei Hodenzellen von Mäusen gelungen.
Zwar sei in Tübingen bislang reine Grundlagenforschung betrieben worden, sagte Skutella auf Anfrage. Trotzdem hoffen die Wissenschaftler, dass ihre pluripotenten Stammzellen eines Tages funktionierendes Ersatzgewebe liefern. Dann könnten womöglich Zellen entwickelt werden, die Insulin für die Diabetes-Behandlung produzieren. Aber auch die Entwicklung von Nervenzellen sei durchaus denkbar, sagte Skutella. An der Arbeit war auch der Stammzellforscher Jürgen Hescheler von der Universität Köln beteiligt.
Bei Frauen wird die neue Methode allerdings nicht funktionieren. Nach dem aktuellen Kenntnisstand der Forscher gibt es bei erwachsenen Menschen nämlich nur eine einzige Quelle für die natürlichen, pluripotenten Stammzellen: Das Hodengewebe.
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