Neue zytotoxische Wirkstoffklasse für die Tumortherapie
Der Chemiker Prof. Dr. Lutz F. Tietze hat im Rahmen seiner Grundlagenforschung an der Universität Göttingen eine neue Klasse zytotoxischer Wirkstoffe entwickelt, die in der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden können. Sie bieten die Basis für eine gewebespezifische, selektive Tumortherapie. Dazu wird das Biopharmazieunternehmen Syntarga B.V. diese Substanzen mit geeigneten Komponenten zu hochpotenten Chemotherapeutika weiterentwickeln. Mit der niederländischen Firma hat die Georg-August-Universität jetzt einen entsprechenden Lizenzvertrag geschlossen. Vermittelt wurde der Vertrag von der Technologietransferorganisation MBM ScienceBridge GmbH.
Ziel der selektiven Tumortherapie ist es, neuartige hochtoxische Wirkstoffe gezielt im Tumorgewebe zu aktivieren und so die Tumorzellen zu zerstören. Das als Antibody Directed Enzyme Prodrug Therapy bezeichnete Verfahren soll gesundes Gewebe schonen und die teilweise gravierenden Nebenwirkungen bei Krebstherapien reduzieren. Die Göttinger Wissenschaftler nutzen dafür unter anderem im Labor synthetisierte modifizierte Analoga des natürlichen Antibiotikums Duocarmycin. Dabei handelt es sich um das Stoffwechselprodukt eines Bakteriums mit massiv zellabtötender Wirkung. Dem Forscherteam um Prof. Tietze ist es gelungen, ein Analogon dieses Antibiotikums mit einem Zuckermolekül so umzusetzen, dass die entstehende Verbindung weitgehend untoxisch ist. Erst nach Abspaltung des Zuckers, die durch ein Konjugat aus einem monoklonalen Antikörper und eines Enzyms an der Oberfläche der Krebszelle erfolgt, wird aus diesem so genannten Prodrug wieder ein Toxin, das seine Wirkung im erkrankten Gewebe entfalten kann. Die Arbeiten wurden am Sonderforschungsbereich "Chemische und biologische Synthese und Transformation von Naturstoffen und Naturstoff-Analoga" in Kooperation mit Wissenschaftlern des Bereichs Humanmedizin durchgeführt.
Die Firma Syntarga B.V. erhält mit dem Lizenzvertrag weltweite exklusive Rechte an Wirkstoffverbindungen, die die in Göttingen entwickelten Anti-Tumor-Substanzen enthalten.
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