Hormonell bedingter Bluthochdruck ist heilbar
Hypertonie-Patienten auf Conn-Syndrom untersuchen
Bluthochdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, betrifft in Deutschland über ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Zu den Ursachen der Erkrankung, die mit einem hohen Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einhergeht, kann eine behandelbare Hormonursache zählen. Ein Zuviel des Blutdruckhormons Aldosteron könnte bei sechs Prozent der Erkrankten der Auslöser sein, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) anlässlich einer aktuell erschienenen Studie.

WerbeFabrik, pixabay.com, CC0
Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, von der laut Robert Koch-Institut jeder dritte Erwachsene im Alter zwischen 18 und 79 Jahren betroffen ist. Die Hypertonie schädigt im Laufe der Jahre die Gefäße mit der Folge, dass Hochdruckpatienten häufiger einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erleiden. Die Ursachen der Hypertonie sind noch nicht vollständig erforscht, aber der Lebensstil, also zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Stress, spielt eine wichtige Rolle. „Hinter einem erhöhten Blutdruck steht häufig aber auch eine behandelbare Hormonstörung. Bei sechs Prozent der Hypertoniker findet sich eine Mehrsekretion des Blutdruckhormons Aldosteron“, sagt Professor Dr. med. Martin Reincke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Er verweist auf eine Studie aus Italien, die in dem Fachjournal Journal of the American College of Cardiology erschienen ist und ein neues Licht auf die Häufigkeit des hormonell bedingten Bluthochdrucks wirft. „In so einem Fall kann eine Operation den Blutdruck dauerhaft heilen“, so Reincke, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Die krankhafte Mehrbildung des Blutdruckhormons Aldosteron wird als Hyperaldosteronismus oder Conn-Syndrom bezeichnet. Aldosteron wird in den Nebennieren, also den je 12 Gramm schweren Drüsen oberhalb der Nieren, gebildet. Das Hormon regelt den Kochsalz- und Flüssigkeitsgehalt des Körpers. Bei einem Aldosteronüberschuss kommt es infolge einer vermehrten Natrium- und damit Wasserrückresorption in der Niere schließlich zu einem Anstieg des Blutdrucks. Die Verdachtsdiagnose eines Hyperaldosteronismus lässt sich über den sogenannten Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ) bestimmen: Er ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Aldosteronspiegel und einen supprimierten Reninspiegel.
Ein Forscherteam aus Turin wertete die Daten der prospektiven PATO-Studie (Primary Aldosteronism in Torino) aus, an der neun Hausarztpraxen teilnahmen. 1.672 Patienten mit Bluthochdruck (569 mit neu manifestiertem, 1103 mit bekanntem Hypertonus) wurden zwischen 2009 und 2014 auf das Vorliegen von Hyperaldosteronismus leitliniengerecht untersucht. Bei auffälligem Hormonstatus erfolgte eine weitere Diagnostik in Form von Bestätigungstests, Bildgebung und Nebennierenvenenkatheterisierung. 99 Patienten (5,9 Prozent) hatten am Ende ein gesichertes Conn-Syndrom, davon 27 mit Aldosteron-produzierendem Adenom (ein gutartiges Geschwulst) und 64 mit beidseitiger Hyperplasie (Vergrößerung) der Nebennieren. Reincke erwähnt ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie: „Die Conn-Wahrscheinlichkeit stieg mit zunehmendem Hypertoniegrad an.“ So wurde bei 11,8 Prozent der Patienten mit Grad 3, also der schwersten Form des Bluthochdrucks (Blutdruck ≥180/110 mm Hg), ein Conn-Syndrom festgestellt, bei Hypertonie Grad 1 (≥140/90 mm Hg) waren es 3,9 Prozent und 9,7 Prozent bei Grad 2 (≥160/100 mm Hg).
Die Bedeutung der Turiner Studie liegt für den DGE-Präsidenten vor allem darin, dass die Ergebnisse die Zahlen aus Spezialambulanzen in einem nicht vorselektionierten Krankengut aus der Allgemeinpraxis bestätigen. „Bei sechs Prozent der an Bluthochdruck Erkrankten kann man von einer Hormonursache ausgehen und diese ist behandelbar oder auch heilbar“, so Reincke.
Für Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE und Leiter der Endokrinologie und Diabetologie der Universitätsmedizin Mainz, zeigen die Ergebnisse, dass viele Tausende von Patienten durch eine Operation oder eine medikamentöse Therapie eine gute Chance hätten, ihren hormonell bedingten Bluthochdruck in den Griff zu bekommen. „Für uns ergibt sich daraus die Forderung, dass alle Hypertoniker zumindest einmal untersucht werden sollten, ob ein Conn-Syndrom vorliegt“, betont DGE-Mediensprecher Weber.
Originalveröffentlichung
Weitere News aus dem Ressort Wissenschaft

Holen Sie sich die Life-Science-Branche in Ihren Posteingang
Mit dem Absenden des Formulars willigen Sie ein, dass Ihnen die LUMITOS AG den oder die oben ausgewählten Newsletter per E-Mail zusendet. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch die LUMITOS AG erfolgt auf Basis unserer Datenschutzerklärung. LUMITOS darf Sie zum Zwecke der Werbung oder der Markt- und Meinungsforschung per E-Mail kontaktieren. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit ohne Angabe von Gründen gegenüber der LUMITOS AG, Ernst-Augustin-Str. 2, 12489 Berlin oder per E-Mail unter widerruf@lumitos.com mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Zudem ist in jeder E-Mail ein Link zur Abbestellung des entsprechenden Newsletters enthalten.
Meistgelesene News
Weitere News von unseren anderen Portalen
Zuletzt betrachtete Inhalte
Leberzirrhose: Neue Therapien können Komplikationen vermeiden

In der Lunge entdeckte Immunzellen verbessern Abwehr gegen Viren - Entdeckung könnte Ansätze für länger wirksame Impfungen gegen sich schnell verändernde Viren liefern

EU fördert Vorhaben zur Stammzellen Technologie-basierten Herzregeneration - Eppendorf ist Projektpartner
Novartis erhält erweiterte US-Zulassung für Leukämie-Medikament Tasigna

Fortschritt bei der Impfung gegen Wespengift
Cellectis bioresearch und Lonza erreichen einen wesentlichen Meilenstein bei der Deaktivierung von GS in der CHO-K1SV
Kleistokarpie
Fortschritt NRW: Ministerin Schulze zeichnet die QIAGEN GmbH als „Ort des Fortschritts“ aus
Positive Ergebnisse mit Nexavar in Kombinationstherapie gegen Brustkrebs - Statistisch signifikante Verbesserung der progressionsfreien Überlebenszeit erreicht
