Wege zu wirksameren Antibiotika

Prof. Peter Leadlay aus Cambridge erhält Inhoffen-Medaille für seine bahnbrechenden Erkenntnisse in der Wirkstoffforschung

27.04.2012 - Deutschland

Neue Antibiotika-Varianten nach Maß von Bakterien hergestellt: Das ist keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern dank der Pionierarbeit von Prof. Peter Leadlay bereits teilweise möglich. Zahlreiche Mikroorganismen produzieren chemische Substanzen mit medizinischer Wirkung, von denen sich einige zu Arzneimitteln weiterentwickeln lassen. Peter Leadlays Erkenntnisse machen es inzwischen möglich, Bakterien bei der Produktion dieser Naturstoffe gezielt zu steuern. Für seine wegweisenden Arbeiten erhält der Forscher nun die Inhoffen-Medaille, eine mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung des Fördervereins des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Technischen Universität (TU) Braunschweig.

Wege zu wirksameren Antibiotika

Prof. Peter Leadlay

Peter Leadlay ist es als erstem gelungen, den genetischen Code des Produktionsweges sogenannter Polyketide zu entschlüsseln. Die Stoffklasse der Polyketide zeichnet sich durch eine besonders große Vielfalt verschiedener Substanzen aus, die von Bakterien hergestellt werden und häufig eine biologische Aktivität besitzen. Einige von ihnen töten zum Beispiel andere Bakterien ab – sie wirken als natürliches Antibiotikum.

Eines dieser Polyketide ist das Erythromycin, ein heutzutage gängiges Antibiotikum gegen Infektionen der Atemwege. Leadlay konnte die genetischen Grundlagen der Erythromycin-Bildung in Bakterien aufklären und hat somit die Tür für ein ganz neues Forschungsfeld geöffnet: Durch die gezielte Veränderung des genetischen Codes ist es nun möglich, in den bakteriellen Produktionsweg einzugreifen und so zu neuen Substanzen mit optimierter Wirksamkeit zu gelangen. Da inzwischen viele Krankheitserreger Resistenzen gegen die üblichen Antibiotika ausgebildet haben, ist die Entwicklung alternativer Wirkstoffe umso wichtiger.

„Es ist wirklich eine große Ehre, diesen Preis für meine Antibiotika-Forschung entgegennehmen zu dürfen”, sagt Peter Leadlay über die Auszeichnung mit der Inhoffen-Medaille. „Die Liste der bisherigen Preisträger enthält ohne Ausnahme bedeutende Wissenschaftler aus dem Bereich der chemischen Biologie.”

Peter Leadlay studierte Chemie an der Universität von Oxford, Großbritannien, und promovierte dort im Jahr 1974. Anschließend arbeitete er zwei Jahre an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, wechselte dann wieder zurück an die Universität von Oxford und ist seit 1979 an der Universität von Cambridge tätig. Dort erhielt er 1999 eine Professur für Molekulare Enzymologie und hat seit 2006 eine Professur für Biochemie inne.

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