Glioblastom: Blutstammzellen sollen als Trojanische Pferde Medikamente zu Tumorzellen transportieren
Glioblastome sind bösartige Hirntumore. Trotz verschiedener Therapieansätze haben Patienten nur eine sehr kurze Lebenserwartung. Die aggressiven Glioblastomzellen sind sehr beweglich und durchsetzen als Zellverbände das gesunde Hirngewebe. Die Entfernung dieser gestreuten Tumorinseln ist besonders schwierig. Eine vielversprechende Strategie zur Tumorbekämpfung verfolgt Dr. med. Dr. rer. nat. Ghazaleh Tabatabai am UniversitätsSpital Zürich zusammen mit Prof. Dr. med. Ulrich M. Lauer am Universitätsklinikum Tübingen. Beide Forscher wollen Blutstammzellen als trojanische Pferde einsetzen, um sogenannte Masern-Impfviren gezielt zu den im Hirngewebe gestreuten Tumorzellen zu transportieren.
Blutstammzellen, sogenannte hämatopoetische Vorläuferzellen, haben die Fähigkeit, Glioblastomzellen in den Gehirnen von Mäusen aufzuspüren. Das hatte Ghazaleh Tabatabai gemeinsam mit Wolfgang Wick in Studien beobachtet. „Nun wollen wir diese Stammzellen mit Therapeutika gegen die Tumorzellen beladen. Die Stammzellen könnten die Krebsmedikamente dann wie ein Trojanisches Pferd direkt zu den Tumorzellen transportieren“, erläutert Ghazaleh Tabatabai das aktuelle Forschungsvorhaben mit Ulrich Lauer.
Ulrich Lauer beobachtete, dass Masern-Impfviren zielgerichtet bösartige Zellen befallen. Sie vermehren sich in Tumorzellen völlig ungehindert und lösen dadurch das entartete Gewebe auf (Onkolyse). Die neu gebildeten Nachkommenviren infizieren weitere Tumorzellen. Es entsteht ein Domino-Effekt. Gesunde Zellen werden in der Regel nur zu einem geringen Grad infiziert. Nachfolgend findet so gut wie keine Vermehrung dieser Viren statt, da gesunde Zellen – im Gegensatz zu Krebszellen – über eine intakte Virusabwehr verfügen. Masern-Impfviren werden bereits in klinischen Studien bei Krebspatienten, zum Beispiel bei Patientinnen mit Eierstockkrebs, eingesetzt. Im Rahmen dieser klinischen Studien werden die Masern-Impfviren in die Blutbahn injiziert. Viele Patienten haben jedoch durch eine Masernimpfung in der Kindheit bereits Antikörper gebildet, die nun die Wirkung der Masern-Impfviren einschränken.
Das Vorhaben der Teams um Ghazaleh Tabatabai und Ulrich Lauer könnte dieses Problem lösen. Sie wollen ihre Forschungsansätze kombinieren und die Masern-Impfviren mittels Blutstammzellen, wie Soldaten im Innern des Trojanischen Pferdes, zu den Tumorzellen schleusen. Die Masern-Impfviren bleiben auf diese Weise vom Immunsystem unentdeckt.
Die Forscher wollen diese zellbasierte onkolytische Therapie nun zuerst im Mausmodell etablieren. Dazu bringen sie die onkolytischen Masern-Impfviren in hämatopoetische Vorläuferzellen ein und injizieren diese in Mäuse mit Gliomen. Die Mediziner planen, diese Therapie mit der bereits in der klinischen Routine angewendeten Standard-Radiochemotherapie zu kombinieren.
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 120.000 Euro.
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