Sprossen, Milch, Bodenproben: Die Suche nach EHEC-Erreger
Mehr als 6000 Proben wurden bislang untersucht und täglich werden es mehr
(dpa) Mit Hochdruck auf der Suche nach dem EHEC-Erreger: Deutschlands Gesundheitskontrolleure untersuchen derzeit bis zu fünfmal mehr Proben als üblich. Das ergab eine dpa-Umfrage bei den Landesgesundheitsämtern und Lebensmittellaboren.
Mehr als 6000 Proben haben Kontrolleure seit dem Ausbruch der Epidemie auf den gefährlichen Darmkeim hin getestet. Ständig kämen neue Proben hinzu, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Mittwoch. Hauptsächlich testen die Kontrolleure Proben der unter Verdacht geratenen Lebensmittel: Gurken, Salat, Tomaten und Sprossengemüse.
Aber nicht nur: «Wir prüfen die ganze Palette», erklärte Peter Schütz, Sprecher des nordrhein-westfälischen Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Also auch anderes Gemüse, wie beispielsweise Rucola, Möhren, Brokkoli sowie Milchprodukte und Fleisch. Auch Trinkwasser und Schokolade seien schon getestet worden, sagte Schütz. Im Saarland wurden beispielsweise Radieschen kontrolliert, in Baden-Württemberg Melonen, Zucchini, Erdbeeren, Spargel, Tartar und Kartoffelsalat. Schleswig-Holstein meldet Proben von Spinat und Mayonnaise, Hamburg von Kräutern und Fertigprodukten.
Nicht nur Lebensmittel untersuchen die Kontrolleure. So wurden beispielsweise in Hamburg auch Gewächshäuser, Biogasanlagen, das Wasser der Elbe und Bodenproben des Großmarkts auf EHEC hin untersucht. Im Zentrum der «Beprobungsstrategie» stünden zunächst die Haushalte von Erkrankten - also vor allem das, was noch im Kühlschrank zu finden ist, erläuterte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Außerdem würden etwa Proben von Restaurants, Kantinen und Hotels geprüft. «Wir nehmen Proben in einem Ausmaß, wie das noch nie geschehen ist in Hamburg.» Der Anteil der untersuchten Gurken, Tomaten und Blattsalate mache dabei nur etwa 40 Prozent aus.
Im Hamburger Lebensmittellabor des Hygiene-Instituts werden etwa fünfmal so viele Proben untersucht wie sonst, berichtet Geschäftsführer Hans-Joachim Breetz. Auch in anderen Bundesländern arbeiten die Kontrolleure deutlich mehr als sonst, wie beispielsweise Peter Schütz vom nordrhein-westfälischen LANUV bestätigt. Das Prozedere braucht allerdings seine Zeit. Zunächst werden die Proben in einer speziellen EHEC-Nährlösung gebadet. Sie enthält Futter für den gefährlichen Keim, außerdem ein Antibiotika, die Konkurrenzkeime im Schach halten. Das Ganze wandert dann für einen Tag in den Wärmeschrank, wo es bei 37 Grad «ausgebrütet» wird. Aus der Flüssigkeit werden schließlich - falls vorhanden - bestimmte Stücke der DNA des EHEC-Keims extrahiert, vermehrt und sichtbar gemacht.
Die meisten Proben stammen von den Menschen, die an EHEC erkrankt sind oder bei denen der Verdacht einer Erkrankung besteht. Es gebe auch Proben aus dem Einzelhandel, aus der Gastronomie oder aus Verteilstellen von Lebensmitteln, erklärte Gerhard Stengel, Leiter der Abteilung Lebensmittelhygiene des Landeslabors Schleswig-Holstein. «Die Lebensmittelüberwachung vor Ort nimmt dann die Proben und schickt sie zu uns.» Auf anderen Wegen bekämen die Kontrolleure keine Proben, hieß es im Bezirksamt Hamburg-Eimsbüttel. «Es ist nicht so, dass der 'Otto Normalverbraucher' hier aufschlägt und sagt: 'Prüfen Sie das auf EHEC'.»
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